Es gibt eine Situation, die Gartenbesitzer besonders ratlos macht: Der Rasen wird trotz regelmäßiger Bewässerung und Düngung gelb. Die Ursache ist nicht an der Oberfläche sichtbar. Kein Pilzmuster, kein Hund, kein offensichtlicher Fehler. Und dann – fast wie ein Zufall – hebt man an einer gelben Stelle die Grasnarbe an, und sie kommt einfach hoch. Wie ein Teppich. Die Wurzeln sind weg.
Das ist das charakteristischste Zeichen für Wurzelfresser im Rasen.
Wer die Täter sind
Die häufigsten Verursacher in mitteleuropäischen Gärten sind Engerlinge – die Larven des Maikäfers, des Junikäfers oder des Gartenlaubkäfers. Diese Larven leben im Boden, oft in 5 bis 20 Zentimeter Tiefe, und fressen sich durch Graswurzeln. Das geschieht unsichtbar und lautlos, über Wochen und Monate.
Engerlinge sind cremefarben bis weißlich, c-förmig gebogen und können je nach Art mehrere Zentimeter lang werden. Wer eine gelbe Stelle aufgräbt, findet sie oft unmittelbar darunter – manchmal mehrere auf einer Handvoll Erde.
Neben Engerlingen gibt es weitere Schädlinge, die Rasenwurzeln schädigen können: Schnaken- oder Wiesenschneckenlarven (Tipula-Arten) und gelegentlich Drahtwürmer. Die Schadensmuster ähneln sich, die Larven sehen anders aus.
Wann Schäden sichtbar werden
Die Entwicklung der Engerlinge folgt einem mehrjährigen Zyklus. Im dritten Jahr – kurz bevor die Larven sich verpuppen – sind sie am größten und fressen am meisten. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Rasenschäden am stärksten auftreten: meist im Spätsommer oder Herbst, wenn das Gras ohnehin unter Trockenstress steht und sich nicht mehr schnell regeneriert.
Gelbe Stellen die im August oder September auftauchen und sich schnell ausdehnen, auch wenn es geregnet hat und gedüngt wurde – das ist ein typisches Muster.
Ein weiterer Hinweis: Krähen, Elstern oder Dachse wühlen den Rasen auf. Diese Tiere sind ausgezeichnete Engerlingsjäger und graben gezielt nach Larven. Wenn plötzlich Vögel systematisch den Rasen aufbrechen oder über Nacht tiefe Wühlstellen entstehen, ist das ein starkes Indiz für Engerlingbefall.
Der Teppich-Test
Wer unsicher ist, macht den einfachen Praxistest: An einer gelben Stelle die Grasnarbe greifen und versuchen, sie anzuheben. Bei Engerlingbefall löst sie sich auffällig leicht – die Wurzeln sind abgefressen, die Verbindung zum Boden unterbrochen.
Dann ein kleines Stück aufgraben und zählen: Mehr als fünf bis acht Engerlinge pro Quadratdesimeter gelten als wirtschaftlich bedeutsame Befallsstärke, bei der Handlungsbedarf besteht.
Was man tun kann
Die wirkungsvollste biologische Methode gegen Engerlinge sind Nematoden – mikroskopisch kleine Fadenwürmer der Art Heterorhabditis bacteriophora, die auf Engerlinge spezialisiert sind. Sie werden im Wasser aufgelöst und per Gießkanne oder Sprüher auf den Rasen aufgebracht.
Der Zeitpunkt ist entscheidend: Nematoden wirken am besten, wenn die Engerlinge noch klein und nah an der Oberfläche sind – also im Frühsommer, wenn die Larven des laufenden Jahres schlüpfen. Gegen ältere, tiefersitzende Larven sind sie weniger effektiv. Im Herbst, wenn der Befall sichtbar wird, ist die Wirkung bereits deutlich eingeschränkt.
Der Boden muss während und nach der Ausbringung feucht gehalten werden – Nematoden überleben keine Austrocknung.
Was danach kommt
An stark befallenen Stellen ist eine Nachsaat nötig, da die abgestorbene Grasnarbe sich nicht von selbst schließt. Wer kahle Stellen im Rasen nachsäen möchte, sollte das erst tun, wenn der Befall unter Kontrolle ist – sonst frisst die nächste Larvengeneration die frischen Wurzeln erneut ab.
Wurzelfresser sind eine Ursache, bei der man nicht mit Dünger oder Wässern weiterkommt. Die einzige Lösung liegt buchstäblich im Boden.
